Kölner „Nafri“-Debatte: Was bedeutet „Nafri“?

Nafri-Debatte: Polizeikontrolle am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht. (Screenshot: Twitter)
Nafri-Debatte: Polizeikontrolle am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht. (Screenshot: Twitter)

Seit der Kölner Silvesternacht ist der Begriff "Nafri" in aller Munde. Auslöser für die äußerst emotional geführte Debatte war ein Tweet der Kölner Polizei, in dem das Wort verwendet wurde: "Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen", twitterten die Beamten in der Silvesternacht. Schon bald wurden Rassismusvorwürfe gegen die Polizei laut. Warum? Zu Recht? Und was bedeutet "Nafri" überhaupt?

Das Wort "Nafri" stammt aus dem Sprachgebrauch der Polizei und ist eine Abkürzung, mit der meist "nordafrikanische Intensivtäter" beschrieben wurden. Rassistisch sei es nicht gemeint. Davon abweichend ist auch eine neutralere Definition im Umlauf, die sich allein auf die ethnische Zugehörigkeit, also Nordafrikaner, beziehen soll - gänzlich unabhängig von einer möglichen Straffälligkeit.

Um massenhafte Übergriffe wie vor einem Jahr zu unterbinden, setzte die Kölner Polizei dieses Mal auf konsequente Prävention. Damals waren hunderte Frauen am Kölner Hauptbahnhof sexuell bedrängt und bestohlen worden. Unter den Beschuldigten waren viele Nordafrikaner und Flüchtlinge.

Auch in diesem Jahr trafen nach Angaben der Polizei wieder "mehrere Hundert Nordafrikaner" in einer offenbar gelenkten Aktion am Kölner Hauptbahnhof ein. Viele von ihnen seien spürbar in gereizter Stimmung gewesen. Sie wurden gezielt festgehalten und kontrolliert - Übergriffe und chaotische Zustände wie im Vorjahr konnten verhindert werden.

"Nafri": rassistisch oder neutrale Abkürzung?

Dennoch gab es auch in diesem Jahr wieder zum Teil harsche Kritik an der Kölner Polizei. Sowohl, was das Vorgehen gegen potentielle Gefährder angeht, als auch die Verwendung des Begriffs "Nafri" betreffend. Vor allem Grünen-Vorsitzende Simone Peter kritisierte die Verwendung des Begriffs und sah darin Anzeichen für möglichen Rassismus. Eine Einschätzung, für die sie unter anderem von Frauen und Angehörigen der diensthabenden Polizisten ebenfalls heftig angegangen wurde. Später räumte Peter Fehler in der Polizei-Debatte ein.

Doch es gab auch überwältigenden Zuspruch und viel Lob für die Arbeit der Polizisten. Unter anderem von Ex-Polizist Nick Hein, der Silvester als Beobachter in Köln war. Bei Facebook schrieb er über die Vorkommnisse und verteidigte den Einsatz der ehemaligen Kollegen gegen den Vorwurf des "Racial Profiling". Auch die Verwendung des Wortes "Nafri" erfolgt Hein zufolge "ohne Wertung" - wie bei zahlreichen anderen Abkürzungen im Polizeijargon ebenfalls. Mit seinem Facebook-Post traf er den Nerv vieler Menschen, wie sich an den zahlreichen Reaktionen ablesen lässt:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.